3. Schule als Lern- und Lebensraum

Eigene Wege gehen - Gemeinschaft gestalten

„Du bist uns ungemein wichtig – aber du bist nicht allein auf der Welt“ – in dieser Spannung gestalten Lehrpersonen und Schülerinnen und Schüler die Beziehungen in der Schulgemeinschaft.

Deshalb macht sich das EGN das Leitmotiv der 11. EKD-Synode 2010 zu eigen: „Niemand darf verloren gehen!

„Selbstverständnis evangelischer Schulen ist es, jeder Schülerin und jedem Schüler bestmöglich gerecht zu werden und ihnen eine optimale Förderung zu bieten.“9   

Diesem Leitgedanken sieht sich das Gymnasium bereits bei der Auswahl der Schülerinnen und Schüler verpflichtet:  
Sie legt Wert darauf, auch Kinder aus eher bildungsfernen sozialen Kontexten aufzunehmen, um dem Desiderat der Bildungsgerechtigkeit Nachdruck zu verleihen. Sie bemüht sich deshalb auch mit Erfolg, Schülerinnen und Schüler aus Realschulen den Übergang in die gymnasiale Oberstufe zu ermöglichen. 
 
Bereits 2010 wurde ein Schüler mit anerkanntem Förderbedarf aufgenommen. Seit dem Schuljahr 2013/14 nimmt das EGN Schüler mit anerkanntem Förderbedarf im Bereich sozial-emotionaler Entwicklung auf, um den Einstieg in inklusives Lehren und Lernen zu erproben. Dieser Ansatz wird konsequent verfolgt, so seit dem Schuljahr 2016/17 durch die Aufnahme einer Schülerin, die im Bereich geistiger Entwicklung gefördert und zieldifferent unterrichtet wird.
 
Das EGN übernimmt auch in der Gesellschaft und für sie Verantwortung, indem sie Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund offensteht, die, durch den Flüchtlingszuzug 2015 verstärkt, ohne oder mit geringen Deutschkenntnissen Aufnahme finden. So gibt es ein differenziertes und individuelles Sprachlernprogramm, das eine Lehrkraft für Deutsch als Zweitsprache, die hierfür eigens von der evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers angestellt wurde, unterrichtet. Es ist eine herausfordernde Aufgabe, diesen Schülerinnen und Schülern eine Perspektive zur dauerhaften Integration zu bieten und sie zu einem Schulabschluss zu führen. 
 
Bildung braucht Überschaubarkeit und Verlässlichkeit. Das EGN bleibt auch in seiner ausgebauten Form eine überschaubare Schule, in der eine möglichst intensive Kommunikationsdichte herrscht und die Schulgemeinschaft durch vielfältige persönliche Beziehungen bereichert wird. Das Gymnasium garantiert relativ kleine Lerngruppen mit in der Regel höchstens 27 Schülern und sorgt dafür, dass grundsätzlich in der Sekundarstufe I kein Unterricht ausfällt, sondern Fehlzeiten von Lehrkräften durch fachbezogene Vertretung ersetzt werden.
 
Schule ist mehr als eine Lernanstalt. Das EGN versteht sich als Lern- und Lebensraum für die gesamte Schulgemeinschaft. Dazu gehört zunächst, dass die Schule eines der wenigen Gymnasien in Niedersachsen ist, das einen gebundenen Ganztag an zwei Tagen in der Woche eingerichtet hat und an zwei weiteren Tagen als offenes Ganztagsangebot weitere Lernmöglichkeiten, AGs und Interessengruppen vorhält. 
 
Der Schultag bedarf eines überschaubaren und klaren Ablaufs, der durch Phasen der Anspannung und Entspannung, durch Phasen der Konzentration und Bewegung gekennzeichnet ist. Aus der Überzeugung, dass ein solcher rhythmisierter Tagesablauf die Motivation zum Lernen steigert und das Lernen nachhaltig fördert, führt das EGN im Fachunterricht den 80-Minuten-Takt ab dem Schuljahr 2017/18 ein und integriert Bewegungsangebote und Lernzeiten in den Tagesablauf.
 
Seit dem Schuljahr 2016/17 ersetzen die Lernzeiten in den Jahrgängen 5 und 6 Hausaufgaben weitgehend und werden ab dem Schuljahr 2017/18 auf die Jahrgänge 7-10 ausgeweitet. Damit wird der Forderung an Ganztagsschulen Rechnung getragen, Hausaufgaben in den Schultag zu integrieren, dadurch Freiräume für Freizeit, für Aktivitäten in Sport, Kirche und Ehrenamt zu schaffen und Familien von Aufgaben der Hausaufgabenbetreuung zu entlasten.
 
Ein Mittelpunkt des Schullebens ist das gemeinsame Mittagessen, das an den Ganztagstagen für alle Schülerinnen und Schüler der Klassen 5-7 verpflichtend ist, von den übrigen Schülern und zu den übrigen Zeiten wahlweise eingenommen werden kann. Die Mensa wird von fest angestellten Mitarbeiterinnen, die dem Landfrauenverband angehören, betrieben.  
 
Wir streben es an, unsere Schüler an eine gesunde Ernährung heranzuführen. Pädagogisches Ziel der gemeinsamen Mahlzeiten ist die Ausbildung einer ästhetischen Essenskultur. Begleitet durch die zuständige Lehrperson nehmen die Klassen ihr Essen ein, sie beginnen mit einem Tischgebet, achten auf gegenseitige Rücksichtnahme und auf basale Tischsitten.
 
Von Eltern, Großeltern  und Schülern wird das Schülercafé ehrenamtlich engagiert unterstützt, das sich lebhaften Zuspruchs erfreut. 
 
Schule als Lebensraum erfordert auch Orte zum Ausruhen, zur Bewegung, zum Abschalten. Deshalb verfügt die Schule über ein breites Angebot an Spielstätten auf einem separaten Areal mit Geräte- und Spieleausgabe, Möglichkeiten für sportliche Betätigung (Fußball, Beachvolleyball, Tischtennis, Klettersport) und eine eigene Cafeteria.
  
Weil sich das EGN als Lern- und Lebensraum begreift, kommt dem sportlichen Angebot an unserer Schule eine besondere Bedeutung zu. Er ist Bestandteil aller vier Dimensionen evangelischen Profils (siehe S.4) und prägt und begleitet das Schulleben in besonderer Weise. Diesem Stellenwert wird der Sport am EGN in verschiedenen Formen gerecht:
Neben dem vollwertigen Erfüllen curricularer Vorgaben, die den unterrichtlichen Schulsport betreffen, gibt es ein vielfältiges außerunterrichtliches Sportangebot für alle Schülerinnen und Schüler, das sich auf ein breites Netz außerschulischer Vereins- und Verbandskooperationen stützt. Neben der Zusammenarbeit mit drei ortsansässigen Sportvereinen unterhält das EGN eine offene Kooperation mit der Sportjugend des Kreissportbundes Grafschaft Bentheim und erhält aufgrund der Qualität des sportlichen Angebots Unterstützungsleistungen des Landessportbundes.
Durch die Jahrgangsstufen übergreifende Teilnahme am Bundeswettbewerb der Schulen „Jugend trainiert für Olympia“ in den Sportarten Fußball, Handball, Judo, Leichtathletik, Schwimmen und Volleyball öffnet sich der Sport am EGN dem Schulsport anderer Schulen ebenso, wie durch die Kooperation in der Sporthelferausbildung (Kreissportbund) sowie durch die Jahrgangsstufen übergreifende alljährlich im Januar stattfindende Schulskifahrt nach Südtirol.
 
Prägend für das EGN als Lern- und Lebensraum ist das Bemühen, eine spezifische „Kultur des Gesprächs“ zu etablieren. Dies geschieht auf der Grundlage gegenseitiger Achtung und gegenseitigen Respekts, die entscheidend dafür sind, dass Bildungs- und Befähigungsgerechtigkeit erfahrbar werden10. Dabei spielen vor allem die Klassenlehrerteams bzw. die Klassenlehrerinnen und -lehrer eine herausragende Rolle, die in ständigem Austausch mit den Eltern stehen und sie in die erzieherische Verantwortung einbeziehen. Der Weg zur Schulleitung ist kurz, die Tür steht – auch für spontane Anliegen – jederzeit offen. Ein Spezifikum der Schule ist die Präsenz einer qualifizierten Schulsozialarbeiterin, die kontinuierlich durch Präventionsprogramme (vgl. Konzept), Elternthemenabende und Beratungen zu einem Klima der Schulgemeinschaft beiträgt, das sich durch Respekt und Wertschätzung, Klarheit und Offenheit auszeichnet.
 
Dies zeigt sich zum Beispiel im Umgang mit Regeln und Regelverstößen. Das Kollegium verfolgt die Strategie, grundsätzlich nicht wegzuschauen, sondern genau hinzusehen und nichts unter den Teppich zu kehren. Wenn einzelne verletzt wurden oder der Gemeinschaft geschadet wurde, müssen der Schaden behoben und die Verletzung geheilt werden – allerdings ohne den Täter zu beschämen oder zu demütigen. Er darf das Gesicht nicht verlieren, muss deshalb auch keine Angst vor Entdeckung haben, sondern kann und soll zu seiner Tat stehen. Wenn etwa – wie an allen Schulen – (Cyber)mobbing vorkommt, dann greift das ausgefeilte Programm „noblameapproach“, das von der Schulsozialarbeiterin professionell eingesetzt wird. Davon müssen gelegentlich auch Eltern überzeugt werden, die eher für drastische Bestrafung von Tätern plädieren. 
 
Das Engagement der Eltern am EGN als Schule in kirchlicher Trägerschaft ist naturgemäß intensiver als an vergleichbaren Gymnasien. Eltern engagieren sich in hohem Maße für das Schulleben. Sie organisieren Feste, fahren mit zum Kirchentag, sind zur Stelle, wenn besondere Aufgaben anstehen und setzen sich auch auf politischer Ebene für die Schule ein.
 
Die Lehrpersonen sind bereit, auch persönlich Vorbildfunktion für die Schülerinnen und Schüler zu übernehmen. Sie zeichnen sich durch große Gesprächsbereitschaft und ein offenes Ohr für die Sorgen und Nöte ihrer Schützlinge aus. Sie werden ihrerseits durch die Schulleitung individuell begleitet und beraten; so bietet die Schulleitung jedes Jahr jedem Kollegen/jeder Kollegin ein Jahresgespräch an, in dem Entwicklungsperspektiven erörtert werden. 
 
Dem Zusammenhalt der Schulgemeinschaft dient u.a. auch das Patensystem, in dem ältere Schüler Verantwortung für jüngere übernehmen. Jede Lehrkraft kann in der Jahrgangsstufe 10 von jedem Schüler als Tutor gewählt werden, so dass eine vertrauensvolle Beratung gewährleistet ist.
 
Auf der Lerngruppenebene festigt ein ausdifferenziertes Klassen- und Studienfahrtenprogramm die interaktionalen Beziehungen. Die Klassenfahrt im Jahrgang 6 steht unter dem Motto „Gemeinschaft werden – Natur wahrnehmen“ und führt in naturnahe Ziele wie die Nordseeküste oder den Harz. „Schulgemeinschaft stärken – Kultur erleben“ steht im Mittelpunkt der Fahrten des Jahrgangs 8. Die Klassen 10 erleben Gesellschaft und Politik durch eine dreitägige Fahrt in die Bundeshauptstadt. Für die Einführungsphase der Oberstufe wird eine dreitägige erlebnispädagogisch orientierte Tagung durchgeführt, die die Schüler vor persönliche Herausforderungen stellt und die Teambildung in der Jahrgangsstufe anregen soll. Die Studienfahrten in der Qualifikationsphase haben zum Ziel, durch bildungs- und wissenschaftsorientierte Fahrten, die im Rahmen des Seminarfachs durch die Oberstufenschülerinnen und -schüler selbst vorbereitet werden, die Persönlichkeitsbildung und Verantwortungsübernahme zu fördern.  
 
Einen weiteren Beitrag zum Zusammenhalt der Schulgemeinschaft leistet die Jahrgangsstufen übergreifende Schulskifahrt nach Südtirol. Neben dem motorischen Erlernen einer für viele Schülerinnen und Schüler völlig unbekannten neuen Sportart stellt vor allem das soziale Lernen beim gemeinsamen Zusammenleben auf der Hütte ein zentrales Ziel dieser Exkursion dar.
 
Last but not least hat das EGN eine ausgeprägte Festkultur etabliert: Von der Weihnachtsfeier mit dem inzwischen obligatorischen Umgang aller Lerngruppen um den Weihnachtsbaum (mit selbstgewählten Weihnachtsliedern) bis zur alle zwei Jahre stattfindenden Sommerserenade im Innenhof des Klosters Frenswegen, von Konzerten bis zu Sportfesten („EGN-Pentathlon“) nimmt die Schulgemeinschaft mit außerordentlichem Vergnügen und großem Einsatz teil.

 9) Rat der EKD: Schulen in evangelischer Trägerschaft. Selbstverständnis, Leistungsfähigkeit und Perspektiven, Gütersloh 2008, 41.

10) Kammer der EKD für Bildung und Erziehung, Kinder und Jugend: Gute Schule aus evangelischer Sicht, 20.