Kultusminister Grant Hendrik Tonne begeistert vom EGN

28. Januar 2020

Schulen erleben derzeit besondere Herausforderungen - der digitale Wandel, Veränderungen in der Arbeitswelt, auf die sie im Unterricht vorbereiten müssen, sowie eine weite Streuung der individuellen Voraussetzungen der Schülerinnen und Schüler. Wie das Evangelische Gymnasium Nordhorn mit diesen Anforderungen erfolgreich umgeht, davon machte sich der Kultusminister des Landes Niedersachen Grant Hendrik Tonne am Donnerstag, den 23. Januar ein Bild. Gut gelaunt kam der Politiker um 13:00 Uhr auf dem Schulhof des Gymnasiums an und wurde nicht nur von der Schulleiterin Dr. Gabriele Obst sowie einigen Kolleginnen und Kollegen herzlich begrüßt, sondern auch von vielen neugierigen Schüleraugen gemustert, einen echten Landesminister sieht man schließlich nicht jeden Tag. Der offizielle Teil des Besuchs begann dann mit einem kleinen Rundgang durch die Schule, bei dem sich der Minister von den vielen Besonderheiten der Schule überzeugen konnte. Hierbei interessierte sich der Kultusminister vor allem für den in Profile und Projekte gegliederten Ganztag, der an der Schule an zwei Tagen die Woche unterrichtet wird, sodass eine individuelle Förderung für jedes Kind möglich ist. Die individuelle Spezialisierung der Schülerinnen und Schüler weckte hohes Interesse bei dem Politiker, der sich die Arbeit in diesen klassenübergreifenden Kursen erklären ließ. Auch die Vielzahl an außerschulischen Partnern, die mithelfen den Ganztag ganz unterschiedlich zu gestalten, beeindruckte den Kultusminister stark und ließ ihn einen Einblick in die breit gestreuten Möglichkeiten der Schülerinnen und Schüler erhalten. Dass dieses nur möglich ist, weil sich zum Beispiel die Elftklässler im Rahmen des Schulfaches „Engagement in Schule“ einbringen und selbst Projekte für Jüngere anbieten, war ein wichtiges Anliegen des Koordinators Elias Hoffmann, der schließlich resümierte: „Ganztag lebt davon, dass alle Schülerinnen und Schüler herausfinden, was sie wirklich interessiert und sie ihre individuellen Interessen einbringen können. Dies ermögliche die Förderung von Talenten im musikalischen, aber auch im naturwissenschaftlichen und sportlichem Bereich“. Anerkennung habe diese besondere Unterstützung der Schüler durch die Auszeichnung als MINT-EC-Schule und als Talentschule des Sports erhalten. Besondere Begeisterung bei Kultusminister Tonne erregte das ebenfalls im Ganztag angesiedelte Projekt „Herausforderung“, bei dem sich alle 10.-Klässler individuelle kulturelle, ökologische oder auch sportliche Ziele suchen und diese selbständig in einer Woche im März verwirklichen. Hierbei sei es wichtig auch über den Tellerrand zu blicken und die Region zu verlassen. Ein verbindlicher Ganztag mit gymnasialem Anspruch baue nach und nach die Fähigkeit der Schülerinnen und Schüler auf Verantwortung für sich selbst und die Gesellschaft zu übernehmen. Damit trage ein verbindlicher Ganztag nicht nur zu mehr Bildungsgerechtigkeit bei, sondern sei Ausdruck des evangelischen Profils der Schule, betonte die Schulleiterin Frau Dr. Gabriele Obst. Auch für die Arbeit als MINT-EC-Schule zeigte Tonne höchstes Interesse. Gebannt schaute er Schülergruppen zu, die ihre Experimente, mit denen sie beispielweise auf der Ideenexpo sehr erfolgreich waren, vorführten. Für ihn als Laien, wie er sich selbst bezeichnete, sei es immer wieder erstaunlich, wie genau junge Menschen die naturwissenschaftlichen Zusammenhänge verstünden. Christian Kirberger, Koordinator für den Bereich MINT-EC am EGN, zeigte dann das umfangreiche naturwissenschaftliche Angebot des Gymnasiums auf, welches viele Möglichkeiten für individuelle Schwerpunktsetzung bietet. Er verwies darauf, dass schon ab den fünften Klassen durch die Wahl von Profilen und Projekten bis zu 6 Stunden mehr im MINT-Bereich gewählt werden könnten und so die individuellen Fähigkeiten frühzeitig gefördert würden. Dass dies Früchte trägt, zeigt sich an der breiten Teilnahme an Camps zur Förderung begabter Schüler und Wettbewerben in den naturwissenschaftlichen Fächern - auch in der Oberstufe. „Die Schülerinnen und Schüler, die schon ab der fünften Klasse ihre Begabungen erkennen, engagieren sich später häufig in der Oberstufe freiwillig, um entweder den jüngeren etwas beizubringen, oder aber ihre Expertise immer weiter zu stärken“, so Kirberger. Dies führe dazu, dass viele Schüler - und besonders auch Schülerinnen - ihren Berufswunsch nochmals überdenken, da sie ein breiteres Spektrum an Möglichkeiten im naturwissenschaftlich-technischen Bereich für ihre Zukunft kennenlernen. Dass aber auch ein späterer Einstieg am EGN von Erfolg gekrönt sein kann, davon überzeugte der Schüler Kevin Wiesner den Kultusminister, indem er von seinem spannenden Besuch am CERN in der Schweiz berichtete und sich für seine Förderung dankbar zeigte. Nach dem Rundgang durch die Schule folgte ein Gespräch zwischen dem Kultusminister, der Schulleitung und den anwesenden Vertretern aus der Kreisverwaltung und der Politik. Neben all der Begeisterung, die Tonne bisher für das Programm der Schule zeigte, folgten hier auch kritische Worte. So verwies Dr. Gabriele Obst darauf, dass das Selbstverständnis des teilgebundenen Ganztagsgymnasiums oft an räumliche Grenzen stoße. So fehlten z.B. für den Profil- und Projektunterricht entsprechende Räume, aber auch Rückzugsräume für Schüler und Lehrkräfte, die den Großteil des Tages in der Schule verbringen. Auch die Ausstattung der PC-Räume müsste in der Schule, die Informatik obligatorisch in der fünften und elften Klasse unterrichtet sowie in der Oberstufe anbietet, deutlich verbessert werden. Alle Anwesenden waren sich einig, dass eine verbindliche Ganztagsschule die entsprechenden räumlichen und personellen Ressourcen brauche, um ihre Arbeit erfolgreich umzusetzen. Der Minister unterstrich, dass er den von der Schule gewählten Ansatz auch im Blick auf eine Neuausrichtung gymnasialer Bildung für interessant halte, denn er ermögliche insbesondere durch die frühe und intensive Begegnung mit Unternehmen in der Region eine Perspektive, die über das klassische Hochschulstudium hinausgehe.

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