Nordhorn-Reichenbach-Israel

Am 03.03.2016 starten Delegationen vom Evangelischen Gymnasium Mylau (Reichenbach) und dem Evangelischen Gymnasium Nordhorn auf, um in Norden Israels in der Stadt Ma'alot Tarshiha eine neue Schulpartnerschaft auf den Weg zu bringen. Das EGN wird in Israel von Schulleiterin Gabriele Obst und dem stellv. Schulleiter Christoph Gastler vertreten.

 

02.03.2016

Der Koffer ist gepackt. Ich kann es mir noch gar nicht vorstellen, dass wir schon Morgen Nachmittag in Ma'alot sein werden. Noch versuche ich meine Grippe zu überwinden, aber die Israelfahrt abzusagen, das kam gar nicht in Frage.

Heute Nacht um 4:00 Uhr geht es nach Amsterdam zum Flughafen. Wenn alles klappt, landen wir um 15:00 Uhr bei 20 Grad in Tel Aviv. Dort treffen wir die uns noch völlig unbekannten KollegInnen aus dem Evangelischen Gymnasium Reichenbach und dann geht's per Mietwagen nach Ma'alot. Wohin genau? Das wissen wir noch nicht - es ist doch eine kleine Abenteuerreise. Ich bin sehr gespannt auf die Schule, die Stadt und die Menschen, die uns begegnen werden.

 

03.03.2016

Was für ein Tag! Um 4:00 ging unsere Reise von Nordhorn los. Gegen 6:30 Uhr erreichten wir Amsterdam. Nach ruhigem Flug und unproblematischem Sicherheitscheck mussten wir uns im Flughafen von Tel Aviv erst einmal zurechtfinden. Aber wir fanden -trotz hebräischer Schrift- unseren Mietautoverleih. Mit einem nagelneuem Mazda machten wir uns dann Richtung Akko auf - leider ohne unsere Reichenbacher Kollegen, die den Flug in Berlin nicht erreicht hatten. Christoph Gastler chauffierte uns umsichtig durch die Staus um Tel Aviv. Beeindruckt von der Modernität Israels erreichten wir Akko. Ohne Navi und ohne Stadtplan fanden wir das Restaurant, wo uns eine der Schulleiterinnen mit KollegInnen empfing. Ein fantastisches Essen und gute Gespräche zu den Ideen für den Austausch rundeten diesen ersten Tag ab. Und jetzt - überwältigt von der Gastfreundschaft - sind wir bei zwei christlichen Familien untergebracht. Ich wohne bei einer Lehrerin der Schule und ihrem Mann - sie orthodox, er katholisch. Zwei der erwachsenen fünf Kinder leben in Deutschland - eine ist protestantisch geworden. Konfessionelle Vielfalt gibt es also nicht nur in der Grafschaft!

 

04.03.2016

¨I like meeting my friends, learning and that the teachers are so friendly!¨

Nach einer kurzen Nacht und einem arabischen Frühstück mit Fladenbrot, Oliven, Schafskäse, aber auch Kuchen und frisch gepresstem Organgensaft brechen wir um 7.30 Uhr zu der High School im arabisch-christlichen Stadtteil Tarshiha auf. Hier gehen arabische Israelis, Christen und Jugendliche drusischer Familien zur Schule. Die jüdischen Schülerinnen und Schüler haben in ïhrem Stadtteil Ma´alot eine eigene High School. Der Empfang ist überaus begeistert. Verschiedene Klassen erwarten uns mit arabischen Snacks und Kuchen - verhungern werden wir mit Sicherheit nicht. Eine 9.Klasse hat in Englisch Präsentationen zu ihren Idolen vorbereitet. Eine Gruppe erzählt uns begeistert von Nick Vujicic, 35 Jahre alt, Christ, mehrfach behindert, der Jugendliche durch eigene Erlebnisse motivieren kann, sich selbst Ziele zu setzen und sich selbst wert zu schätzen. Auf meine Frage, was sie an ihrer Schule mögen, sagen einige Jugendliche ohne Umschweife, dass ihre Lehrer freundlich und freundschaftlich mit ihnen umgehen. Welch ein grossartiges Urteil über ihre Schule.

Eine weitere Szene: am Mittag findet im städtischen Theater ein arabisches Konzert ehemaliger Schülerinnen und Schüler statt. Zum Schluss singt ein etwa 17jähriger Jugendlicher ein tradtiionelles arabisches Volkslied spontan auf der Bühne mit Unterstützung des Orchesters. Familie und Traditionen schaffen ein Wir-Gefühl, dass für jugendliche arabische Israelis eine große Rolle spielt.

Das Zusammenleben zwischen Muslimen und Christen und Drusen spielt in der Schule und im Stadtteil Tarshiha eine wichtige Rolle. Wir sind überwältigt von der Gastfreundschaft und der Offenheit unserer arabischen Gastgeber.

Am Nachmittag tauchen wir in der ehemaligen Kreuzfahrerstadt Akko in einen arabischen Bazar ein, hören den Muezzin zum Abendgebet rufen, kurz bevor wir an einer Kirche von katholischen Franziskanern die Sonne über dem MIttelmeer untergehen sehen...

Am Abend dann sind wir vollzählig: wir können endlich Susann Heinrich und Stephan Tietze, Lehrkräfte des Evangelischen Gymnasiums Mylau, Kooperationspartner des EGN, in Haifa abholen - sie konnten erst mit eintägiger Verzögerung eintreffen. Jüdische Israelis feiern schon den Sabbat, die Autobahn ist leer, als wir zu unseren Gastgebern zurückkehren.

 

05.03.2016

5 Brote und 2 Fische, Oliven und Knafi

Der Markt in Tarshiha erwartet uns am Morgen in gleißendem Sonnenschein. Die Familien unserer Gastgeber machen ihren Wocheneinkauf von Obst und Gemüse: 200 Schekel, umgerechnet etwa 50 € bezahlen sie für den Bedarf für eine sechsköpfige Familie an Orangen, Zitronen, Äpfel, Erdbeeren, Datteln, Gurken, Tomaten, Champignons, Zuckerschoten, Zucchini, Paprika, Zwiebeln und Auberginen. Diese übertreffen alle unsere bisherigen Vorstellungen.

Dann tauchen wir in die Welt Obergaliläas ein. Auf einer Farm in Parod (hebräisch)/Farud (arabisch) lernen wir einen 70jährigen Bewohner kennen, der sein ganzes Leben dort verbracht hat. Ein Foto zeigt ihn 1970, wie er Säcke voller Oliven trägt, 100 Kg schwer. Die Altstadt von Zevat/Safed wollen wir besuchen, aber unser Gastgeber Rimon rät davon ab, schließlich leben dort vor allem jüdische Siedler, die jegliche Arbeit am Sabbat ablehnen - dazu gehört auch Autofahren. Rimon befürchtet, dass unser Auto von Steinen beworfen werden könnte und so fahren wir nach einer nur durch den Ort ohne anzuhalten. Uns begegnen viele strenggläubige jüdische Familien, gekleidet in schwarzweiß, die Männer mit Kopfbedeckung und Schläfenlocken.

Dann tauchen wir in die Zeit Jesu Christi ein - die religiösen Konflikte begleiten uns. Der Ort, an dem Jesus fünf Brote und zwei Fische an 5000 Männer verteilte - nahe dem See Genezareth - ist von einer Kirche überbaut. Auf sie wurde im Sommer 2015 ein Brandanschlag verübt - hier zeigt sich der Konflikt zwischen radikalen Juden und christlichem Erbe einmal mehr. In Kapernaum/Kafarnaum kommt plötzlich vom See her ein starker Wind auf - das war schon zur Zeit Jesu nicht ungewöhnlich...
Bei sommerlichen 24 Grad fahren wir ab und erreichen nahe Ma´alot-Tarshiha bei 14 Grad eine Bäckerei, in der wir ¨Knafi¨ essen - einen arabischen Kuchen aus Schafskäse und Zuckerhaaren.

Die letzte Station führt uns nach Pki´in, wo Rimon aufgewachsen ist. Er nimmt uns mit in seine Kindheit. Nun sitze ich auf dem Sofa unserer Gastgeber, diskutiere mit ihrer Tochter Rima über die Schwierigkeiten, arabisch oder deutsch zu lernen. Sie studiert Psychologie in Freiburg und hat in einem Jahr und wenigen Monaten Deutsch gelernt. So kann Leben in einer fremden Kultur aussehen!

 

06.03.2016

Heute stand der Besuch der jüdischen Schule in Ma'alot auf dem Programm. Nach leckerem Frühstück (mit frischen Avocados) brachen wir nach Ma'alot auf, wo uns Schüler zu Purim mit Keksen und warmen Tee begrüßten. Wir haben den Schülern von den Valentinsrosen unserer SV erzählt - die gleiche Idee bei uns und hier in Israel.

Wir lernten die Schulleiterin kennen und ganz verschiedene Schüler präsentierten uns unterschiedliche Ergebnisse ihrer Arbeit. Besonders beeindruckte mich das pädagogische  Konzept der Schule - da können wir noch viel lernen!

Im Anschluss fuhren wir mit der für die internationalen Beziehungen zuständigen Angestellten der Stadt an die Grenze zum Libanon. Was für ein Lebensgefühl muss das sein, wenn man ständig in Angst vor Raketen leben muss.

Im Kontrast dazu steht die wunderschöne Natur: Rosh ha Nikra. Unterirdische Höhlen im Meer. Das Meer blau und Türkis - wunderschön!
Verbunden war das Ganze wieder mit großer Gastfreundschaft und viel Essen. Und das Essen ist so lecker, dass wir ständig zu viel essen bzw. auf den Teller gelegt bekommen. Wir haben heute gelernt: Wenn der Teller leer ist, wird automatisch nachgelegt.

Wir können uns kaum vorstellen, Morgen wieder in die Kälte aufzubrechen.

 

07.03.2016

Auf Wiedersehen Israel!