4. Lernen und Arbeiten

„Bildung soll zugleich die Persönlichkeit entwickeln und eigener Lebensführung wie der Teilhabe am gesellschaftlichen Leben dienen. In diesem Sinne wollen evangelische Schulen gute Schulen sein und die Schülerinnen und Schüler in ihren Kompetenzen fördern.“11 

Dass die zentrale Aufgabe jeder Schule der Unterricht ist, ist eine Binsenwahrheit. Deshalb steht diese Dimension an erster Stelle. Wie alle anderen Gymnasien in Niedersachsen orientiert sich das EGN an den staatlichen Lehrplänen, verfügt aber über erhebliche Freiräume, um eigene Akzente zu setzen, so z.B. durch eine andere Lerntaktung (80 Minuten-Einheiten ab 2017/18), Lernbürostunden und Projekt- und Profilunterricht.
 
Didaktisch schlägt sich das oben erläuterte Grundprinzip „Niemand darf verloren gehen!“ in dem Ziel nieder, alle Schülerinnen und Schüler – die schwächeren ebenso wir die starken - bestmöglich zu fördern, Interesse am Lernen zu wecken und jeden einzelnen dabei zu unterstützen, eigene Wege zu suchen, zu finden zu beschreiten. Daher setzt die Schule auf ein Förderkonzept, das den einzelnen Schülern Lernanregungen und Unterstützung bietet, das jedoch das Lernen nicht in komplett individualisierende Prozesse auflöst. 
 
Einige Spezifika des EGN: 
  • Der Religionsunterricht (katholisch oder evangelisch)muss durchgehend von jedem Schüler und jeder Schülerin belegt werden. Das gilt auch für die Oberstufe. In der Qualifi-kationsphase wird Religion als Fach auf erhöhtem Anforderungsniveau angeboten.
  • Bereits in den Eingangsklassen können die Schülerinnen und Schüler zwischen drei verschiedenen Profilen wählen, die jeweils über ein höheres Stundendeputat verfügen und bis zur Jgst. 10 fortgeführt werden, wobei sie in den Jahrgängen 9 und 10 dem Entwicklungs-stand Jugendlicher entsprechend eine inhaltliche Ausweitung erfahren:  

Profil 1: Kompetenzbereich „forschen und entdecken“:

„Natur erforschen – die FORSCHER“ (Jg. 5-8), „Mensch & Gesundheit“ (Jg. 9-10)

Profil 2: Kompetenzbereich „Sich ausdrücken und gestalten“;

„Musik gestalten – die MUSIKER“ (Jg. 5-8), „Kultur & Event“ (Jg. 9-10)

Profil 3: Kompetenzbereich „Verstehen und handeln“:

„Welt verstehen  –  die REPORTER“ (Jg. 5-8), „Gesellschaft & Kommunikation“ (Jg. 9-10)

 
Die Forscher erhalten zusätzlichen interdisziplinären MINT-Unterricht. Zusätzlich können unsere Schülerinnen und Schüler eine Vielzahl an MINT-orientierten Wahlpflichtprojekten anwählen, z. B. Schulgarten, Jugend forscht, Schüler experimentieren, Jugend präsentiert, Robotik (First Lego League, World Robotik Olympiade), Raketenbauer.
  • Dem interessengeleiteten Lernen dienen außerdem zwei Stunden wöchentlicher jahrgangsübergreifender Projektunterricht, bei dem Leistungen nicht benotet werden. Ab Klasse 5 wählen die Schülerinnen und Schüler zu Beginn eines Halbjahres aus einem bunten Strauß von Projektangeboten. Die fachübergreifenden Projekte greifen naturwissenschaftlich-technische (z.B. Robotik, Forschergarten), künstlerisch-literarisch-sprachliche (z.B. Theaterschmiede, Drama group, Mode), musische (z.B. Musical,), historisch-politische (z.B. Gedächtnis der Grafschaft, Radioprojekt: Schule ohne Rassismus, Fair tra-de) und sportliche (z.B. Tanz, Handball) Themen auf. Ihre Ergebnisse präsentieren die Projektteilnehmerder Schulgemeinschaft auf einem großen Projekttag am Ende des Schuljahrs. Auch die Arbeitsgemeinschaften (z. B. Kochen, Chor) an den offenen Ganztagen komplettieren die Angebotspalette. Dabei gibt es ein breites Sportartenförderangebot, das bis in die gymnasiale Oberstufe hinein durchgehalten wird. 
  • Neben der unterrichtlichen Arbeit in Projekten, leistet auch die Schulskifahrt in den Südtiroler Ort Jochgrimm einen zentralen Beitrag zum fächerverbindenden Lernen. Während unseres Aufenthalts in einem sehr sensiblen Naturraum, in dem der Mensch immer nur Fremdkörper und Gast sein kann, ergeben sich zahlreiche Anlässe zum fächerübergreifenden Lernen, vor allem, biologische, physikalische und geographische Fragestellungen, daneben auch wirtschafts- und sozialethische Fragestellungen, da die Ski- und Tourismusindustrie den Alpenraum in den vergangenen 30 Jahren stark veränderte und überformte, ohne dabei Rücksicht auf Einheimische und Umwelt zu nehmen.
  • In der Sekundarstufe I werden die Schülerinnen und Schüler mit Methoden und Lernstrategien vertraut gemacht, und zwar nicht – wie weithin üblich – unter dem fachunspezifischen Stichwort „Lernen des Lernens“, sondern fachbezogen und in einem sequentiellen und kumulativen Curriculum, das bis zur Jgst. 10 reicht. Jeder Schüler führt ein Methodenheft, das die Einführung in die jeweilige Methode mit Datum und Unterschrift do-kumentiert. Die Oberstufe erhält ein durchgehendes Portfolio, das zu reflexivem Lernen anleitet, Metakognition fördert und differenziertes Feedback ermöglicht.
  • Jeder Schüler, der interessante Themen oder auch eigene Defizite aufarbeiten möchte, a-beitet in Jahrgangsstufe 7 innerhalb des regulären Stundenplans zwei Stunden pro Woche im Lernbüro. Durch selbstgesteuerten Umgang mit Büchern, Recherchen im Internet, durch das Erstellen von Präsentationen zu Themen u.a.m. wird im Arbeitsprozess gelernt. Jeder Schüler erhält individuelle Beratung, Anleitung und Begleitung und führt ein Logbuch über seine Arbeit. Die Lehrpersonen sind Coaches, Lernbegleiter und für die schwächeren Schüler durchaus auch Nachhilfelehrer. Ab 2017/18 wird dieses Konzept in den Lernzeiten aufgegriffen und weiterentwickelt. Bei der Hausaufgabenbetreuung helfen Schüler Schülern im Sinne eines Peer-Tutoring 12.
  • In der Oberstufe wird der Klassenverband in der Einführungsphase, also in Jgst. 10 (acht-jähriger Bildungsgang am Gymnasium „G8“ bis Schuljahr 2016/17) bzw. in Jgst. 11 (neunjähriger Bildungsgang „G9“ ab Schuljahr 2018/19) aufgelöst. Zu Beginn der Einführungsphase finden zwei Einführungstage in Workshop-Form statt. Basiskurse in den Hauptfächern frischen Kenntnisse und Fertigkeiten auf und ermöglichen schwächeren Schülern und Seiteneinsteigern aus der Oberschule einen möglichst bruchlosen Übergang. In der Einführungsphase wird auf freiwilliger Basis ein vierzehntägiges Studienpraktikum an der Universität Bielefeld durchgeführt, das Teil eines „dualen Studien- und Berufsprak-tikums“ ist. Dahinter steht die Idee, dass Schüler, die frühzeitig Interesse an bestimmten akademischen Berufen zeigen, sowohl die Universität als auch die Berufswelt kennen lernen sollen. Das Engagement des EGN für die Ermöglichung individueller Bildungsgänge nach 8 oder 9 Jahren im Rahmen der Initiative „Abitur im eigenen Takt“ ist durch die Rückkehr Niedersachsens zum neunjährigen Bildungsgang derzeit nicht umsetzbar. 
  • Die Auseinandersetzung mit Themen, die am Rande oder außerhalb des Curriculums liegen, wird durch regelmäßige Lesungen, Zeitzeugenberichte und Vortragsveranstaltungen gefördert.
  • Das Lernzentrum unterstützt auf vielfältige Weise das eigenständige Arbeiten der Schülerinnen und Schüler in allen Jahrgängen: So können Freistunden zu Recherchen im Internet, der Anfertigung von Präsentationen, der Facharbeit oder schlicht der Schulaufgaben genutzt werden. Lesewochen, Lesenächte und die Teilnahme am Vorlesewettbewerb sprechen insbesondere jüngere Schülerinnen und Schüler an. In enger Zusammenarbeit zwischen Bibliotheksleitung und Lehrkräften können Medienkisten für Projektarbeitsphasen oder für die Erstellung der Facharbeit im Seminarfach eingesetzt werden.
  • In vielen Fächern nehmen Schülerinnen und Schüler an Wettbewerben teil (z.B. Biologie, Informatik, Mathematik). Herausragende Beispiele sind die Teilnahme am Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten, am Wettbewerb Jugend debattiert sowie das Engagement der Robotik-AG anlässlich der Ideen Expo 2017. Neben der First Lego League und am Bundeswettbewerb Informatik, an denen wir ständig teilnehmen, beteiligt sich das EGN an weiteren aktuellen Wettbewerben. Der Wettbewerb Jugend forscht bzw. Schüler experimentieren bildet das Zentrum der Wettbewerbskultur am EGN.
  • Der Initiative von Schülerinnen und Schülern und Lehrkräften ist zu verdanken, dass das EGN als Fair-Trade-Schule, als Schule ohne Rassismus und als sportfreundliche Schule ausgezeichnet ist. Das EGN ist auf dem Weg zur Mitgliedschaft im naturwissenschaftlich orientierten Netzwerk MINT-EC.
  • MINT-Schwerpunkt:
Die MINT-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) bilden einen Schwerpunkt unterrichtlicher Arbeit am EGN. Die im MINT-Bereich zu erwerbenden Kernkompetenzen spielen in vielen Studiengängen und Berufen eine zentrale und nicht zu-letzt durch den demografischen Wandel eine immer größere Rolle. Gerade der informatisch-technische Teil darf gesellschaftlich unterschätzt werden. Nordhorn und die Grafschaft Bentheim bieten in der Region Arbeitsplätze in unterschiedlicher Ausrichtung im MINT-Bereich. Aus diesem Grund ermöglichen wir unseren Schülerinnen und Schülern, sich in den MINT-Fächern praxisorientiert über den Regelunterricht hinaus zu engagieren. Dadurch vertiefen sie ihre fachlichen Kenntnisse in Mathematik, Informatik, den Natur-wissenschaften und Technik und wenden diese selbstständig und praktisch an. Außerdem erhalten sie umfassende Studien- und Berufsorientierungsmöglichkeiten in diesem Bereich. Schülerinnen und Schüler mit besonderem Leistungspotenzial oder mit entsprechendem Interesse können zusätzliche Begabtenförderungsangebote in Anspruch nehmen. Dadurch schaffen wir am EGN einen besonderen Anreiz, eigene Talente optimal zu entfalten. 
 
Um diese Ziele zu verfolgen, stehen den Schülerinnen und Schülern je zwei Fachräume für die Fächer Chemie, Physik, Biologie und Informatik zur Verfügung, die entsprechend dem aktuellen Stand der Technik ausgestattet sind. Diese werden außer für den Unterricht auch als Labore für Wettbewerbsarbeit und Arbeitsgemeinschaften genutzt. Schülerinnen und Schüler aus der Sekundarstufe II unterstützen Jüngere in den Arbeitsgemeinschaften und bei der Wettbewerbsarbeit. In die Jahrgangsstufe 5 integrieren wir über die Stundentafel hinaus das hauseigene Unterrichtsfach „Informatik -  Computerkompetenz“, das verpflichtend belegt wird.
In der Oberstufe bieten wir seit dem ersten Abiturjahrgang durchgehend Kurse sowohl auf grundlegendem als auch erhöhtem Niveau in allen MINT-Fächern (Biologie, Chemie, In-formatik, Physik) an. Mit dem Abiturzeugnis werden Abiturientinnen und Abiturienten aus dem naturwissenschaftlich-mathematischen Profil für herausragende Leistungen in der Oberstufe in den betreffenden Fächern ausgezeichnet. Diese Auszeichnungen werden durch Firmen unterstützt.
Außerschulische Lernorte bieten einen zusätzlichen Zugang zu MINT-Themen und vertiefen diese auf nachhaltige und dauerhafte Weise: Schulübergreifende und grenzüberschrei-tende Initiativen wie das „Schulwaldprojekt“, die „Zooschule im Tierpark Nordhorn“ und das Projekt "MINT on Castles" sind hier zu nennen. Dort werden in Zusammenarbeit mit dem Schülerforschungszentrum Neander Lab auf verschiedenen Burgen in der Umgebung regelmäßig Projekte mit der niederländischen Partnerschule Het Stedelijk Lyceum Kotten-park / Enschede durchgeführt. 

11) Rat der EKD: Schulen in evangelischer Trägerschaft, 2008, 40.

12) Hattie weist für selbstreguliertes Lernen (226) und Peer-Tutoring (221) hohe Effektstärken aus.