7. Demokratie einüben

Das Verhältnis von Christengemeinde und Bürgergemeindespielt auch im Verhältnis des EGN zur demokratischen Verfassung des Gemeinwesens eine dezidierte Rolle. Die These Barths aus dem Jahr 1946, dass Deutschland „die Elemente von Recht, Freiheit, Verantwortlichkeit, Gleichheit etc., die Elemente der Demokratie von Grund aus zu erlernen hat“ , ist noch lange nicht erledigt, sondern muss in jeder Generation neu zur Geltung gebracht werden. Dabei bildet einerseits die Schule selbst das zentrale Lernfeld für Demokratie, also ein politisches Gemeinwesen, in dem man „im kleinen die Versprechungen und Schwierigkeiten der großen respublica erfährt, sich und seine Ideen erprobt und die wichtigsten Tätigkeiten übt: ein Problem oder Interesse definieren und es öffentlich verhandeln, andere Menschen überzeugen und sich von ihnen überzeugen lassen, Entscheidungen treffen und austragen, Konflikte nicht scheuen, aber auch beenden können, Ver-einbarungen treffen, Zuständigkeiten bestimmen und dergleichen mehr.“14 Andererseits nimmt die Schule an der demokratischen Verfassung des Gemeinwesens teil, kooperiert mit Institutionen, Vereinen und Unternehmen, knüpft Netze zu anderen Bildungseinrichtungen und ist insgesamt in der Öffentlichkeit präsent. Die Engagement von Schülerinnen und Schülern an der Wettbewerb Jugend debattiert ist in diesem Zusammenhang von besonderer Bedeutung. 

Intern legt das EGN daher Wert auf Beratungs- und Entscheidungskompetenzen der Schülerinnen und Schüler. Das Kollegium bringt ihnen ein hohes Maß an Vertrauen entgegen, überträgt ihnen die Gestaltung von Regeln für die Schulgemeinschaft und bezieht sie in Konfliktregelungen durch besondere Programme (“noblameapproach“) verantwortlich ein. Beispielsweise konnten die Schüler eigene Ideen entwickeln und beschließen, wie sie die Pausen verbringen und wie sie die verabredeten Regeln garantieren wollen. Auch die Mitarbeitervertretung der Kolleginnen und Kollegen hat im EGN eine starke Stellung.
 
Mit den vielfältigen Kooperationen nach außen knüpft das EGN gezielt Netze und bezieht dabei die Schüler konsequent ein:
Mit den Schülerinnen und Schülern der Ernst-Moritz-Arndt-Schule (EMA-Schule) gibt es vier- bis sechswöchige Projekte in jedem Halbjahr. Hier engagieren sich vor allem die Profilgruppen der Jahrgänge 5/6. Dies mündet in die Präsentation gemeinsamer Produkte am Projektpräsentationstag. EMA-Schülerinnen und Schüler nehmen an der Lesewoche, an Musicalaufführungen u.a. am EGN teil. Es hat sich eine enge Kooperationskultur zwischen den Lehrkräften beider Schulen entwickelt. 
 
Diese Kooperation hat zum Ziel, gemeinsames und schulformübergreifendes Lernen und Lehren zu fördern.  
 
Das EGN kooperiert durch das Speeddating mit den Klassenlehrkräften der Nordhorner Grund-schulen. Dies geschieht einmal jährlich mit dem Ziel, den reibungslosen Übergang von der Grundschule zu den weiterführenden Schulen zu fördern und zu evaluieren.
Das EGN ist Mitglied des Kooperationsverbundes Begabtenförderung der Grund- und weiterführenden Schulen und richtet regelmäßig ansprechende Projekte für junge Schülerinnen und Schüler aus. 
 
EGN und Gymnasium Nordhorn kooperieren in den Fächern Latein, Niederländisch und Spa-nisch in der Oberstufe, um den Schülerinnen und Schülern ein breites Wahlangeboten in den Fremdsprachen zu ermöglichen.
 
Ein Seniorenkurs der VHS (die im selben Gebäude residiert) wurde von einer Schüler-Projektgruppe (Jg. 7 und 8) in den Umgang mit digitalen Medien eingeführt. Weitere Kooperatio-nen mit der VHS sind geplant. Auch bei Radiosendungen der Ems-Vechte-Welle arbeiten die Schüler seit Jahren mit. 
Selbstverständlich beteiligt sich das EGN an der Gestaltung der Gedenkfeiern zum 9. November 1938 und arbeitet durch Projekte und personell eng mit der Jüdischen Geschichtswerkstatt zusammen, ebenso mit den Nordhorner Kirchengemeinden.  
 
Die Zusammenarbeit mit der Stadtbibliothek Nordhorn ermöglicht vor allem, Schülerinnen und Schüler durch verschiedene Aktivitäten wie Führungen und die Beteiligung an Vorlesewettbe-werben zur pädagogisch sinnvollen Nutzung von Medien anzuregen.
 
Nicht zu unterschätzen sind die zahlreichen Vereinskooperationen im sportlichen Bereich als einem zentralen Bestandteil des Schullebens am und um das EGN. Eine zentrale Stellung nimmt dabei die Kooperation mit der HSG Nordhorn ein. Sowohl die Profispieler der 2. Bundesliga (HSG Nordhorn-Lingen GmbH) als auch hochqualifizierte Vereinstrainer aus dem Stammverein (HSG Nordhorn e.V.) trainieren die Schülerinnen und Schüler des EGN in zwei Handballprojekten für die Jahrgangsstufen 5/6 und 7/8. Neuerdings ist es den im Projekt als besonders talentiert auffallenden Schülerinnen und Schülern auch möglich, an einer zusätzlichen Leistungsförderung im Rahmen des HSG-Vereinstrainings teilzunehmen.
 
Einen weiteren sportlichen Kooperationsbaustein in doppelten Sinne stellt die durch des Lan-dessportbund (LSB) Niedersachsen geförderte Zusammenarbeit mit dem Leichtathletik Club Nordhorn (LCN) dar. Die als AG stattfindende Trainingseinheit wird von einer hochqualifizierten Übungsleiterin des LCN betreut und richtet sich -ebenfalls Jahrgangsstufen übergreifend- an alle interessierten Schülerinnen und Schüler am EGN. Eine zusätzliche Trainingsteilnahme im regulä-ren LCN-Vereinstraining ist besonders begeisterten oder talentierten AG-Teilnehmern ebenfalls möglich.
Als dritten sportlichen Förderbaustein baut das EGN derzeit eine Kooperation zu einem ortsansässigen Fußballverein auf. Auch in diesem Kooperationsvorhaben soll es, wie schon beim Handball und in der Leichtathletik, ein Scouting zur sportartspezifischen Talentsichtung geben.
 
In einem hohen Maße spielen Verknüpfungen mit Wirtschaft und Handwerk im gesellschaftswissenschaftlichen Bereich und auf dem Gebiet der MINT-Fächer eine wichtige Rolle. Die Kooperationspartner der Wirtschaft reservieren beispielsweise Praktikumsplätze für Schülerinnen und Schüler des EGN, bieten Exkursionen und Werksführungen an, unterstützen bei Wettbewer-ben und ausgewiesene Fachexperten halten Vorträge zu forschungsaktuellen Themen.Kooperationen mit Schülerforschungslaboren an Universitäten sind in naher Zukunft geplant.
 
Durch die Kooperation mit der Grafschafter Volksbank erhalten die Schülerinnen und Schüler Einblicke in wirtschaftliche Zusammenhänge, in einen sinnvollen Umgang mit Geld sowie in Fallstricke und Gefahren des Schuldenmachens. Ab dem Schuljahr 2017/18 nimmt eine Gruppe des EGN am Management Information Game (MIG) in Kooperation mit der Grafschafter Volksbank und dem Bildungswerk der Niedersächsischen Wirtschaft teil.
 
Im Bereich der Schulaustauschbegegnungen kooperieren wir mit dem Het Stedelijk Lyceum Kottenpark in Enschede/Niederlande. Wir nehmen am städtischen Jugendaustausch zwischen Nord-horn und Montivilliers/Frankreich teil. Eine Kooperation mit israelischen Schulen ist in Planung. 

13) Vgl. Karl Barth: Christengemeinde und Bürgergemeinde, München 1946, 36.

14) Hartmut von Hentig, Bildung, München/Wien 1996, S. 128 konzipiert deshalb die Schule als polis.