5. Feiern und Erleben

Bildung braucht Religion. Ohne die Begegnung mit und das Nachdenken über Religion fehlt jeder Bildung eine zentrale Dimension menschlichen Lebens und auch der kulturellen Tradition. Religion begegnet Schülerinnen und Schülern in Nordhorn vornehmlich in Gestalt unterschiedlicher christlicher Konfessionen. Deshalb sollen Lehrpersonen am EGN zeigen und Schülerinnen und Schüler lernen, was es heißt, als evangelische Christen in einer (post-)modernen pluralen Gesellschaft zu glauben und zu leben.

Da sich die Schüler und ihre Eltern mit ihrem Schulvertrag bewusst auf eine Schule in kirchlicher Trägerschaft eingelassen haben, geht die Begegnung mit christlichem Glauben und Leben über eine rein reflexiv-kognitive Auseinandersetzung hinaus. Die unterschiedlichen Formen, in denen christliches Glauben und Leben in der Schule ihren Ausdruck finden, zielen auf eine ganzheitlich-existentielle Erfahrung und Einübung, ohne dass deren kognitive Verarbeitung und Aneignung vernachlässigt würde. Grundsätzlich findet die Begegnung mit christlichen Lebens- und Ausdrucksformen allerdings ihre Grenze am Überwältigungs- und Indoktrinationsverbot: Kein Kind und kein Jugendlicher darf von einer Lehrperson zu religiös oder weltanschaulich begründeten Einstellungen oder Handlungen genötigt werden. Dieses Prinzip schließt auch aus, dass Schülerinnen und Schüler sich untereinander unter Druck setzen, Andersdenkende moralisch oder religiös diffamieren, herabsetzen oder gar Gewalt – gleich in welcher Form – in religiös motivierten Auseinandersetzungen propagieren oder an-wenden. Die Vielfalt religiöser und weltanschaulicher Orientierungen am EGN ist daher konstitu-tiv und wird als Chance für die Entwicklung einer ‚religionssensiblen Pluralitätsfähigkeit’ betrachtet. Damit verbunden ist der Versuch, den Blick der Schülerinnen und Schüler für die Ökumene der Christen und Kirchen zu weiten, die in der Grafschaft Bentheim im kirchlichen Leben auf vielfältige Weise praktiziert wird

Der Schulalltag wird zum einen durch Bezüge zum Kirchenjahr rhythmisiert, zum anderen aber in stärkerem Maße durch die Strukturen des Schuljahrs. Für jeden Doppeljahrgang (5/6; 7/8; 9/10; 11/12) finden im Wechsel wöchentliche Andachten am Wochenanfang statt, deren Gestaltung jeweils ein Kollege oder eine Kollegin übernimmt. Das gesamte Kollegium stellt sich dieser Auf-gabe und wird durch eine Fortbildungsmaßnahme darauf vorbereitet. Die jeweiligen Fachlehrer/-innen führen mit ihren Lerngruppen in den überschlägigen Wochen eigene Andachten durch. Einmal im Monat wird die Andacht von einem externen Geistlichen geleitet; dabei wirken alle in Nordhorn vertretenen Denominationen mit. Gottesdienste zu besonderen Gelegenheiten ergänzen die liturgische Praxis. In der Adventszeit wird regelmäßig eine „Frühschicht“ mit meditativen Elementen und einem gemeinsamen Frühstück durchgeführt.
In den ersten Wochen des Schuljahres gestalten die Schülerinnen und Schülern der unteren Klassen im Religionsunterricht eigene Gebetbücher. Sie beginnen jeden Tag mit einem selbstformulierten Gebet. Ein besonderes Angebot für Schülerinnen und Schüler der Klassen 8, eine „Zeit im Kloster“lFrenswegen zu verbringen. In dem einwöchigen Klosterleben leben die Schüler im Kloster, fahren von dort aus mit dem Fahrrad in die Schule, verbringen aber den Großteil der Zeit, unterbrochen von liturgischen Einheiten und einem Schweigetag, in der klösterlichen Gemeinschaft. 
 
Einen besonderen Stellenwert im Schulleben nehmen Besuche auf dem Kirchentag ein, an denen vor allem das Musical-Projekt des EGN beteiligt ist. Dieses Projekt, bestehend aus Schülerinnen und Schülern der Klassen 5 und 6, erarbeitet sich unter Leitung von Musikpädagogen jedes Jahr ein Musical zu biblischen Personen, so z.B. Joseph, Mose und Jona, das in der Schulöffentlichkeit und vor Schülern der Grundschulen vorgeführt wird.
Die ökumenische Perspektive kommt durch die Schulpartnerschaft mit einer Schule in Tansania ins Spiel, deren Vertreter/-innen 2012 und 2016 das EGN kennen lernen konnten.
 
Der Bereich der Schulseelsorge spielt für die Betreuung von Schülerinnen und Schülern in Krisensituationen eine wichtige Rolle. Lehrkräfte werden zu Seelsorger/innen ausgebildet; ein Team aus Schulleitung, Lehrkräften und der Schulsozialarbeiterin intervenieren bei Krisen. So geschieht dies bei Trauerfällen unmittelbarer Angehöriger von Schülerinnen und Schülern. Der Raum der Stille und ein Seelsorgeraum stehen als angemessene Orte für Andachten, Gespräche etc. zur Verfügung. Ein Notfallkoffer und Literatur zu Trauer und Krankheit sowie ein Kondolenzbuch unterstützen die Lehrkräfte bei diesen Aufgaben. Selbstverständlich steht für besondere Fälle auch der Pastor der lutherischen Kreuzkirchengemeinde zur Verfügung.
 
Ein zentraler Bestandteil der Festkultur ist der alljährlich stattfindende EGN-Pentathlon, an dem die Schülerinnen und Schüler des EGN in fünf verschiedenen Wettbewerben auf der schulei-genen Außensportanlage und im Nordhorner Freibad gegeneinander antreten. Hier steht nicht der klassische Leistungsbegriff im Zentrum. Vielmehr sind es das gemeinsame Wettkämpfen im fairen und rücksichtsvollen Umgang miteinander, die Integration aller teilnehmenden Schülerinnen und Schüler in die Sportspiele, die Stärkung von Klassen- und Schulgemeinschaft und somit nicht zuletzt auch die Olympische Idee, die die leitenden Maxime dieses Sportfestes darstellen. 
 
Einen Bestandteil außerschulischer Festkultur des EGN stellt die regelmäßige Teilnahme am größten Volkslauf der Region, der Nordhorner Meile, dar.